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Man kennt ihn nur mit Hut. Was er unter den Lodenkopfbedeckung
habe, eine Glatze etwa? Das wird Ernst Abler, 57, immer mal wieder
gefragt. Doch der, dienstältester Eismeister Deutschlands,
beweist durch ein kurzes Lupfen der Kopfbedeckung lachend das Gegenteil.
Der Mann, der seit 35 Jahren in regelmäßigen Abständen
das Eis für die Kufenfans im Oberstdorfer Eislaufzentrum bereitet,
hat mittlerweile fast 70.000 Kilometer auf den Spezialmaschinen
hinter sich gebracht, umgerechnet acht Jahre und 200 Tage - eine
ganze Kindheit.
Dabei war dem gebürtigen Tiefenbacher dieser
Beruf alles andere als in die Wiege gelegt. Als eines von sechs
Kindern nach dem Krieg aufgewachsen, sollte Abler nach dem Willen
der Eltern Schneider werden. Ein solides Handwerk eben, wie seine
fünf Geschwister. Doch Ernst brach eine Lehre in Immenstadt
ab und versuchte sich zunächst als Alphirte und Senner, dann
als "Muli-Treiber" auf der Kemptener Hütte.
Zurück ins Tal, nach Oberstdorf, brachte ihn
die Liebe. Mit seiner Frau hat Abler vier Kinder, der zweifache
Großvater ist Besitzer eines kleinen Eigenheimes. Doch zunächst
fing er damals im Bauhof der Marktgemeinde an, als eine Art Mann
für alle Fälle - und so packte er auch beim Anfang der
Sechziger Jahre gebauten ersten Eisstadion Deutschlands mit an.
Eis zubereiten: Das war damals noch "unbedacht
das aufgekratzte Eis wurde per Hand abgehobelt, danach mit dem Wasserschlauch
neu präpariert", erinnert sich Abler, "das war schon
schwer, und dann wird das neue Eis in wenigen Minuten wieder völlig
zerkratzt". Mittlerweile ist er bei solcher kurzer Freude nach
getaner Arbeit gelassener: "Fürs Eis machen, für
diese Minuten, dafür bin ich eben da", sagt der Rekordhalter.
Sieben Minuten, wenn es schnell gehen muss fünf
Minuten, braucht der Mann auf dem "Eisbär" für
seine zehn Runden in einer der beiden großen Hallen des Oberstdorfer
Eislaufzentrums. Und das Ergebnis macht ihn manchmal stolz.
Da denkt er beispielsweise an die Curling-Junioren-Weltmeisterschaft
zurück, als er sich und die Maschine auf "meinem Eis"
sogar im Fernsehen sah: "Da hab' ich gedacht, als ich das Eis
gesehen habe, das ich gemacht habe, Mensch, das sieht toll aus."
Kein Eigenlob, denn die Qualität der Arbeit Ablers schätzen
auch die internationalen Kufenstars.
Trotzdem: Man sieht ihn vielleicht zu kurz, nur
in den Pausen der Eishockeyspiele oder großer Wettkämpfe
und Schaulaufveranstaltungen, um seine Arbeit - und die seiner drei
Kollegen - so richtig würdigen zu können. Leute wie Kurt
Kreiselmeyer, langjähriger Leiter des Eislaufzentrums, der
Abler schon seit Jahrzehnten kennt, packte die Gelegenheit deshalb
schon mal beim Schopfe. "Der hat mich dann mit dem Mikrofon
den Leuten vorgestellt, und als ich vom Eis gefahren bin, da haben
die Leute geklatscht, das war, als wenn man einen Händedruck
über den ganzen Buckel spürt".
In drei Jahren geht Abler in Pension - möglicherweise
mit einem Rekord, der im "Guiness Buch der Rekorde" festgehalten
wird.
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