"Die Welt ist als Verbraucher
noch zu retten"
Bernd Drosihn ist der "Große Tofumacher"
Tofutown.com ist seine Mission - die gutes Geld verdient
Wer die Produktion der Tofutown.com GmbH im Industriegebiet am Rande des kleinen Eifeldorfes Wiesbaum besichtigen will muss gesund sein. Darauf weist ein Merkblatt mit Zutrittsverbot bei diversen Lebensmittelempfindlichkeiten oder Erkrankungen wie Durchfall etc. am Empfang des Firmengebäudes hin. Und er sollte sich jetzt umziehen: Kittel und Haarnetz. In diesem Outfit begrüßt auch Bernd Drosihn zum Interview. Der 49-Jährige wirkt genau so rastlos, wie er sich selbst beschreibt. Er ist der "Große Tofumacher", und ein Schuss Selbstironie schwingt da ganz bewusst mit.
Herr Drosihn, Sie haben einige Produkte von Tofutown aufgetischt - in diesem Falle also geht das Gespräch durch den Magen. Beginnen wir mit dem "Nigari-Tofu"...
Drosihn: Ja, Sie haben da einen Block, sieht aus wie Feta...
... es schmeckt, ja wie schmeckt es?
Drosihn: Es sollte sehr mild schmecken, eigentlich nach gar nichts.
Stimmt, sehr mild, leicht herber Beigeschmack, riecht ebenfalls leicht herb, mit einem kleinen leicht säuerlichen Stich. Warum soll ich Tofu essen?
Drosihn: Das ist ja das Gute an dem Produkt, dass es eben nach nichts schmeckt. Es ist geronnene Sauermilch und da kann man eine ganze Menge mit machen. Und natürlich auch Know-how. Das, was Sie da gerade tun, das machen Kinder in Japan, in China, auch meine Kinder essen es sehr gerne. Ein richtig guter Tofu hat eine schöne feste Konsistenz und ist geschmacksneutral. Da kann man sich dann als Koch austoben. Alle Grundnahrungsmittel schmecken mild.
Wie zum Beispiel die Kartoffel. Die brachten die Preußen nach Deutschland, Sie wollen jetzt dem Tofu zu seinem Recht als Grundnahrungsmittel verhelfen?
Drosihn: Das ist so meine verrückte Generation gewesen, verrückte Vegetarier, die versucht haben, die Welt zu verbessern. Da gibt es nicht nur mich, auch einige andere mehr.
Der "Große Tofumacher" und das weltweit Einzigartige:
aufschlagbare Tofusahne
Ist die Welt essensmäßig noch zu retten? Globale Konzerne steuern über genmanipulierte Nahrungsmittel die Ernährung ganzer Völker?
Drosihn: Die Welt ist als Kunde, als Verbraucher zu retten. Zumindest zu verbessern.
...wie viele Kalorien nehme ich gerade eigentlich zu mir?
Drosihn: Tofu ist gesund, durch das, was es eigentlich nicht hat. Es hat keine tierischen Fette. Cholesterin senken ist das Hauptthema, die Rendite der Pharmaindustrie. Tofu hat kein Cholesterin. Der weiße Tofu, den Sie da gerade zu sich nehmen, hat ungefähr 12 bis 14 Prozent Eiweiß. Hochwertiges, sauberes, pflanzliches Eiweiß. Weißer Tofu ist kalorienarm. Er hat deutlich unter 200 Kalorien pro 100 Gramm.
Wie kommt man auf die Idee Tofumacher zu werden?
Drosihn: Das ist in der Tat eine bisschen längere Geschichte. Mein Vater war Chemiearbeiter in Leverkusen. Ich bin mit 20 nach Köln gekommen, und habe an der Musikhochschule Musik studiert,...
…währenddessen probiere ich den "Picknicker-Snack-to-go", sieht aus wie der kleine Fleischknacker für unterwegs...
Drosihn: …über die Musik, damals in den Siebzigern, kam ich in die Alternativszene: Es wurde alles gegessen, nur kein Fleisch. Das erste Mal Tofu gegessen habe ich damals allerdings in New York. Das war ein angemachter Tofu, gebraten in einem makrobiotischen Restaurant. Tofu war da ein Stück Popkultur. Bunte Packungen. Ich fand das ganz interessant.
Der "Picknicker" hat ein durchaus scharfes Aroma: Curry, Chili.
Drosihn: Eine Art Mini-Salami. Die Ernährungsgewohnheiten in Deutschland werden sehr stark von Fleisch bestimmt. Das heißt für uns, wir produzieren sehr viele Fleisch-Alternativen. Auf der einen Seite den Tofu wie beschrieben, den wir mit anderen Eiweißen kombinieren. Dann kriegen wir sehr fleischähnliche Strukturen. Unsere Sachen sind aber viel leckerer, weil wir zum Beispiel keine Knorpel haben, aber eben auch die ganzen negativen Nährstoffe nicht. Wir nehmen Pflanzen und machen daraus eine Art Fleisch.
Durchaus herzhaft! Lecker! Essen Sie Ihre Produkte auch selbst?
Drosihn: Klar. Das ist der Trick an der Sache. Wir machen die Sachen einfach leckerer, als man sie im Supermarkt bekommt.
Und dann haben Sie in New York entdeckt: Tofu - das ist ein Geschäftsmodell?
Drosihn: Nein. Zurück in Köln hat mich das schon interessiert, aber ich bin erst einmal im legendären Bürgerzentrum Stollwerk gelandet, habe da als DJ aufgelegt, Musik gemacht, Graffitis gesprüht. Und gleichzeitig habe ich aus meinen zum Glück guten Gagen als Musiker einem Tofu Kollektiv 3000 Mark zum Start gegeben. Quasi als Investor. Irgendwann bin ich dann da immer mehr reingeraten. Wir sind damals deshalb sogar verhaftet worden: Tofu machen war verboten, wir waren auch noch langhaarig.
Heute sind Sie geschäftsführender Gesellschafter eines Mittelständlers in der Eifel und wollen klar machen, dass Tofu cool ist. Wer ist denn Ihre Zielgruppe?
Drosihn: Die Verbraucher, die wir nach Marken aufteilen. Das heißt, die Marke, die Sie da gerade aufschnippeln...
...das ist die Nummer 3, ein "Real Smoked Tofu". Schmeckt nach Speck, rauchig, annehmbar...
Drosihn: ...genau, ein Tofu für Anfänger. Man kann ihn kleingewürfelt als Speckalternative wunderbar benutzen. Und er ist geräuchert. Wir fragen unsere Kunden regelmäßig, wie sie sich ernähren. Wir haben festgestellt, es sind Leute, die weniger Fleisch essen wollen, aus unterschiedlichsten Gründen.
Sie bieten aber nicht nur hierzulande an, sondern sogar auf dem Tofu-Mutterkontinent, in Asien?
Drosihn: Ja, wir sind so Verrückte: Nach Asien nicht so sehr viel, aber doch nach Amerika. Vor allem auch unser weltweit einmaliges Produkt, die aufschlagbare Soja-Sahne. Man kann schon sagen, dass wir deutschlandweit einer der größeren Tofu-Hersteller sind.
Und wenn Ihre Kinder Ihnen jetzt mitteilen: "Wir werden niemals im Leben Tofu essen"?
Drosihn: Werden sie enterbt!
Darauf bitte noch eine Portion der wirklich köstlichen Soja-Sahne.
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