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Porträtserie
"Zeitgenossen - Menschen in Oberstdorf und dem Kleinwalsertal"
Sie
stehen nicht im Rampenlicht, erfüllen "nur" ihre Pflicht:
hinter den Kulissen, einfach selbstverständlich ohne viel Aufhebens
davon zu machen. Zeitgenossen, die ein altes Handwerk weiterführen,
in einer Behörde oder Verwaltung die unverzichtbare Kleinarbeit
leisten, Menschen, die ein Hobby, eine Leidenschaft zu ihrem Beruf
gemacht haben. Das Allgäuer Anzeigeblatt wird einige von Ihnen
- allesamt aus Oberstdorf und dem Kleinwalsertal - in loser Folge
in den nächsten Wochen vorstellen.
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Oberstdorf
(sli). Seit 35 Jahren fährt Ernst
Abler im Kreis. Der Mann hinter dem Steuer des "Eisbären"
im Oberstdorfer Eislaufzentrum ist Deutschlands dienstältester
Eismeister.
Man
kennt ihn nur mit Hut. Was er unter den Lodenkopfbedeckung habe,
eine Glatze etwa? Das wird Ernst Abler, 57, immer mal wieder gefragt.
Doch der, dienstältester Eismeister Deutschlands, beweist durch
ein kurzes Lupfen der Kopfbedeckung lachend das Gegenteil. Der
Mann, der seit 35 Jahren in regelmäßigen Abständen das Eis für
die Kufenfans im Oberstdorfer Eislaufzentrum bereitet, hat mittlerweile
fast 70.000 Kilometer auf den Spezialmaschinen hinter sich gebracht,
umgerechnet acht Jahre und 200 Tage - eine ganze Kindheit.
Alphirte
und Muli-Treiber
Dabei
war dem gebürtigen Tiefenbacher dieser Beruf alles andere als
in die Wiege gelegt. Als eines von sechs Kindern nach dem Krieg
aufgewachsen, sollte Abler nach dem Willen der Eltern Schneider
werden. Ein solides Handwerk eben, wie seine fünf Geschwister.
Doch Ernst brach eine Lehre in Immenstadt ab und versuchte sich
zunächst als Alphirte und Senner, dann als "Muli-Treiber"
auf der Kemptener Hütte.
Zurück
ins Tal, nach Oberstdorf, brachte ihn die Liebe. Mit seiner Frau
hat Abler vier Kinder, der zweifache Großvater ist Besitzer eines
kleinen Eigenheimes. Doch zunächst fing er damals im Bauhof der
Marktgemeinde an, als eine Art Mann für alle Fälle - und so packte
er auch beim Anfang der Sechziger Jahre gebauten ersten Eisstadion
Deutschlands mit an.
Eis
zubereiten: Das war damals noch "unbedacht das aufgekratzte
Eis wurde per Hand abgehobelt, danach mit dem Wasserschlauch neu
präpariert", erinnert sich Abler, "das war schon schwer,
und dann wird das neue Eis in wenigen Minuten wieder völlig zerkratzt".
Mittlerweile ist er bei solcher kurzer Freude nach getaner Arbeit
gelassener: "Fürs Eis machen, für diese Minuten, dafür bin
ich eben da", sagt der Rekordhalter.
"Über
den ganzen Buckel"
Sieben
Minuten, wenn es schnell gehen muss fünf Minuten, braucht der
Mann auf dem "Eisbär" für seine zehn Runden in einer
der beiden großen Hallen des Oberstdorfer Eislaufzentrums. Und
das Ergebnis macht ihn manchmal stolz.
Da
denkt er beispielsweise an die Curling-Junioren-Weltmeisterschaft
zurück, als er sich und die Maschine auf "meinem Eis"
sogar im Fernsehen sah: "Da hab' ich gedacht, als ich das
Eis gesehen habe, das ich gemacht habe, Mensch, das sieht toll
aus." Kein Eigenlob, denn die Qualität der Arbeit Ablers
schätzen auch die internationalen Kufenstars.
Trotzdem:
Man sieht ihn vielleicht zu kurz, nur in den Pausen der Eishockeyspiele
oder großer Wettkämpfe und Schaulaufveranstaltungen, um seine
Arbeit - und die seiner drei Kollegen - so richtig würdigen zu
können. Leute wie Kurt Kreiselmeyer, langjähriger Leiter des Eislaufzentrums,
der Abler schon seit Jahrzehnten kennt, packte die Gelegenheit
deshalb schon mal beim Schopfe. "Der hat mich dann mit dem
Mikrofon den Leuten vorgestellt, und als ich vom Eis gefahren
bin, da haben die Leute geklatscht, das war, als wenn man einen
Händedruck über den ganzen Buckel spürt".
In
drei Jahren geht Abler in Pension - möglicherweise mit einem Rekord,
der im "Guiness Buch der Rekorde" festgehalten wird.
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