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Die
Katastrophe begann kurz vor Mitternacht. Gegen Null Uhr in der
Nacht vom Montag auf Dienstag vergangener Woche wurde das Dörfchen
Troubky, 15 Kilometer südlich von Olomouc (Olmütz), von der Jahrhundertflut
in Mähren überrollt.
TROUBKY.
Dabei galt das Dörfchen noch nicht einmal als Hochwassergebiet,
wie es für Teile Nordmährens schon lange nachgewiesen ist. Doch
das 2050-Seelendorf liegt unweit einer Talsperre am Zusammenfluss
von Becva und Morava - zwei Flüsse, die durch die Regenfälle zu
reißenden Strömen wurden und alles mitgerissen haben, was an den
Ufern lag.
Gegen Mitternacht zum Dienstag vergangener Woche gab die Staumauer
der Talsperre nach. Eine gewaltige Flutwelle überschwemmte innerhalb
von Stunden das gesamte Dorf. Ganze Straßenzüge wurden ein Opfer
der meterhohen Wassermassen. Im Ortskern blieb kein Stein auf
dem anderen. Für mindestens acht der Bewohner kam jede Hilfe zu
spät. Sie ertranken in den Fluten oder wurden von herabstürzenden
Trümmern erschlagen.
Einwohner
evakuiert
"Es
ist noch schlimmer als nach dem Zweiten Weltkrieg", sagt Kvatoslav
Štibora, Leiter der Suchhundestaffel aus Vlkoš, der mit der vierjährigen
Schäferhündin "Ula", der "Weltmeisterin der Suchhunde 1996", die
traurige Aufgabe hat, nach Opfern zu suchen. Seit einer Woche
sind er und seine Kollegen pausenlos im Einsatz. Noch in der Katastrophennacht
kam die tschechische Armee aus den nahegelegenen Kasernen in Prerov
und Lipnik. In einer dramatischen Rettungsaktion wurden 430 Einwohner
per Hubschrauber in die Kasernen evakuiert; den im Dorf Gebliebenen
Zelte, Matratzen, Decken, wärmende Getränke gebracht.
Auch
nach dem Rückgang des Hochwassers ist Troubky ein geschlossenes
Dorf. Aus Angst vor Plünderungen hat die Polizei ale Zufahrten
gesperrt. Fünf Tage nach der Katastrophe versuchen die Dörfler
dennoch zu retten, was zu retten ist.
"Wo
soll ich hin?"
"Ich
habe immer hier gewohnt, wo soll ich hin?" sagt auch der 35-jährige
Pavel Wojtacek. Noch vor drei Wochen hatte er an seinem Häuschen
das Dach erneuert. Bis auf eine Außenmauer ist das Gebäude mitsamt
Heuschober nur noch Ruine. Die Flutwelle selbst überlebten er,
seine Frau und die beiden vier und fünf Jahre alten Kinder in
einem Ziegenstall.
"Die Regierung hat jedem Betroffenen rund 35.000 Kronen versprochen,
wenn sie mir und den Anderen jeweils eine Million böten, hätte
ich eine Chance", so Wojtacek. Troubky, das Dörfchen, in dem am
vergangenen Wochenende die Sommerkirchweih gefeiert werden sollte,
gibt es in der alten Form nicht mehr.
Landkreise unter Wasser
Doch
Prag bewilligte insgesamt bisher nur 900 Millionen Kronen. Das
sorgt für Verbitterung nicht nur in Troubky, denn die Sachschäden
belaufen sich nach ersten Schätzungen landesweit auf 50 bis 100
Milliarden Kronen. 13 Landkreise Mährens stehen unter Wasser.
In der Zwischenzeit hat eine beispiellose Solidaritätsaktion Tschechien
gepackt. In spontanen Beschlüssen wurden Gelder für Hilfsfonds
auch aus Böhmen überwiesen. So stellte allein die Stadt Pilsen
fünf Millionen Kronen zur Verfügung. Außerdem findet für die Hochwasseropfer
ein großes Benefizkonzert in Prag statt.
Angst
vor Epidemien
Angst
vor Epidemien macht sich breit. Für die Tschechische Republik
ist die Lage möglicherweise die härteste Bewährungsprobe nach
der samtenen Revolution. Der Bürgermeister der 15 Kilometer von
Troubky entfernten Großstadt Olomouc, in der ebenfalls ganze Stadtteile
unter Wasser stehen, hat sie nicht bestanden. Er flog am vergangenen
Mittwoch zunächst wie gebucht mitsamt Familie in den Ägäis-Urlaub.
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