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"Für uns ein Desaster"
Interview mit Andrew Wilton, Turner-Experte der Tate Gallery.
Welchen Stellenwert hat die Ausstellung für die Tate Gallery?
Nun, Turner hatte immer großes Interesse an Deutschland, und Deutschland
an den Bildern Turners. Für die Tate ist das eine der größten
Turner-Ausstellungen auf dem Kontinent. Und es ist für uns eine
Katastrophe, ein Desaster. Die Besucher in London sehen derzeit einen
Turner, den sie nicht kennen, weil so viele Bilder fehlen.
Wie lange haben die Vorbereitungen zu dieser Retrospektive gedauert?
Vor zehn Jahren kam die Ruhrgas AG mit dieser Bitte auf uns zu. Man
wollte Turner als das Universalgenie, dessen Schaffensbereich weit über
den aller anderen Landschaftsmaler hinausging zeigen.
Folgerichtig wurden die Leihgaben der Tate Gallery um Gemälde,
Zeichnungen, Stiche und Skizzenbücher ergänzt und erweitert,
die aus Sammlungen in allen Teilen der Welt zu einer Werkschau zusammengetragen
wurden, die in vielfacher Hinsicht in ihrer Mannigfaltigkeit überwältigend
ist. Aber sie will Ihnen Turner in allen seinen Facetten zeigen.
Dennoch ist die Schau natürlich nur ein Auszug. Alleine die
Tate hat mehr als 19.000 Werke in ihren Beständen. Was fehlt vor
allen Dingen?
'Temeraire' und 'Rain, Steam and Speed' werden von der National Gallery
nicht mehr ausgeliehen. Das hat auch konservatorische Gründe. Leider
sind viele Arbeiten Turners schon zu seinen Lebzeiten nicht in bestem
Zustand gewesen.
Viele sehen Turner als Vorläufer der abstrakten Malerei. Stimmen
Sie zu?
Nein. Das ist er in keiner Weise. Er hat gesagt:
'I painted it to show what it was like'. Auch seine Darstellung des
Lichts ist rein beschreibend. Er löst sich in keinem Punkt von
der Natur-Darstellung ab.
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