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Vertical City
Die Skyline von Hong Kong gilt als die zur Zeit spektakulärste der Welt. Wie Türme eines Spielzeuglandes wirken die Wolkenkratzer in der Bucht der Boomtown an der Südküste Chinas. Aus dem 76. Stock des in diesem Sommer eröffneten IFC II-Towers am Victoria Harbour in Central Hong Kong - dem jetzt vierthöchsten Gebäude der Welt - hat man aus 420 Metern Höhe einen grandiosen Blick auf die Stadt der hohen Türme. Zum Beispiel den von HSBC oder der CHINA BANK auf Hong Kong Island oder auf die Kulisse am chinesischen Festland gegenüber vor Kowloon.

Hong Kong war immer ein Sonderfall. Seit 1843 als britische Kronkolonie im Reich der Mitte und seit der "Rückgabe" 1997 an China als Sonderverwaltungszone. Nach einer Schwächeperiode, ausgelöst auch durch den faktischen Handelsstopp durch SARS, zeigt die Konjunkturkurve Hong Kongs (1095 km², mehr als 230 Inseln mit rund 6,7 Millionen Einwohnern) wieder nach oben. Doch in Hong Kong wird vieles schnell diagnostiziert, umgesetzt und verworfen. Die Wirtschaftsmacht hat immer überreagiert. Die Maßlosigkeit ihrer Bürotürme ist ein Beweis dafür. Die gewaltigen Riegel der schlanken Appartment-Hochgeschosser, so schnell hochgezogen wie oft leer stehend, ein weiterer.

Unter dieser Überlast an Wolkenkratzern werden die Menschen zur Nebensache. Sie müssen sich in Central Hong Kong Island, dem eigentlichen Kraftfeld Hong Kongs und Reich des Immobilientycoons Hong Kong Land, auch auf "Mid Levels" bewegen, Fußgängerbrücken und Wegen in circa vier Metern Höhe über und entlang der Straßen in den Hochhausschluchten. Die Vertical City hat in ihrem insularen Kern wie Manhattan nur noch in der Höhe Platz.

In den Gassen, Straßen und Fußgängerzonen, zum Beispiel rund um die TIMES SQUARE SHOPPING MALL, herrscht entsprechend hektische, brodelnde Enge. Im Schatten der heruntergekommenen Backsides der Tower fristen unzählige kleine Händler in verliesartigen zur Straße offenen Shops ihr Dasein. Umgeben von einem lauten schrillen Chaos aus Menschenmassen, Bussen, Taxis und unter einem vielfach in die Höhe gestaffelten zwischen den Häusern gespannten Dach von Leuchtreklamen und Werbeplakaten.

Noch ein Hinweis: Was Sie bei der Sightseeing-Tour sehen sind die Eindrücke eines Tagesaufenthaltes in Central Hong Kong Island am 13. November 2003. Wenige Tage bevor auf dem zur Zeit schönsten Flughafen der Welt, dem auf einer künstlichen Insel vor Langtau Island angelegten "Hong Kong International Airport" von Norman Foster, ein Fluggast aus Australien mit einem besonderen Auftrag erwartet wurde.

Erwartet wurde ein Krokodilfänger. Seine Spezialität: er packt das Reptil mit bloßen Händen. Sein Zielobjekt sollte ein knapp 1,20 Meter langes Krokodil sein, das sich im Hafen der Stadt aufhält und ab und zu Seevögel verscheucht. Typisch Hong Kong: Die SOUTH CHINA MORNING POST hat zusammen mit einem Hotel der Stadt und einer Fluggesellschaft Crocodile Dundees Auftrag zur Chefsache gemacht und berichtet in großer Aufmachung über den Fall. Auch darüber, dass die Einreisebehörde dem Jäger erst noch eine Arbeitserlaubnis mitsamt Gefahren- und Erschwerniszulage gewähren muss.

Dass es sich dementsprechend um den Kampf Mann gegen einen veritablen Maneater handelt, das ist aus den großformatigen Krokodil-Abbildungen in der POST bei aller Anstrengung aber nicht abzulesen.