 |
 |
Karlsplatz 6 lautet die
Adresse des berühmten Konzerthauses der "Gesellschaft der Musikfreunde
in Wien". Theophil Hansen erbaute das Gebäude im historistischen
Neorenaissance-Stil zwischen 1866-1869, 1911 wurde der "Brahmssaal"
für die Kammermusik geschaffen, und im "Großen Saal"
Umbauten getätigt. 2004 kamen vier weitere unterirdische Konzertsäle
dazu. Das Gebäude ist freistehend, ein strahlendes Kleinod - und
eine Art Mekka.
An diesem Tag warten neben einem guten Dutzend Japanern noch rund 15 weitere
Musikfreunde um 14.30 Uhr auf die "Führung - Deutsch" im
Kassa-Raum wo, da ist es wieder das schöne Wienerisch, die "Karten
behoben werden". Schon auf dem Eintrittsbillet schimmert es golden,
wie es auch im Brahmssaal und vor allem im legendären "Goldenen
Saal" dann der Fall ist. Nebenbei: Anders als bei den Berliner Symphonikern
werden die Abonnements bei den Wiener Philharmonikern nicht vererbt, sondern
müssen alljährlich erneuert werden. Nur 4,5 Kilogramm Blattgold
habe man da verarbeitet, beteuert der leicht ironische Guide den staunenden
Musikfreunden, die, egal woher sie kommen, alle zum einen Einspielungen
der Wiener Philharmoniker aus "ihrem Saal" und/oder die diversen
Live-Erlebnisse am Platze als Erfahrungsschatz zur Führung mitbringen.
Dass der "Goldene Saal" die legendäre Akustik hat, die
ihn - so wieder der leicht ironische Guide - auf eine Stufe stellt mit
dem Concertgebouw in Amsterdam, verdankt er einigen architektonischen
Besonderheiten. |
 |
| So liegt die Decke
auf dem Rechteckbau auf, darüber ist ein Hohlraum, ebenso ist das
Parkett untertunnelt - um die Bestuhlung im Falle eines Festes dort unterzubringen.
Und natürlich die Kyriatiden. Die weiblichen Herkulesfiguren tragen
heute zwar nicht mehr die Galerien an den Längsseiten, das wurde
1911 durch Zurücksetzung der Figuren aus statischen Gründen
geändert, aber sie sind aus Blech und hohl - natürlich Blattgold
überzogen. Alles zusammen leitet den Hall von der noch von 1869 stammenden
Holzbühne wunderbar zumindest bis in die Mitte des Saales und ergibt
den klaren warmen von der rundum Holzverkleidung gedämpften Klang,
den man auf den Aufnahmen hören kann. Drittes Nebenbei: Die Orgel
des Saales ist nicht mehr Original, zumindest die Pfeifen, denn die traf
im Zweiten Weltkrieg eine Fliegerbombe. Mehr passierte dem Hansen-Bau
zum Glück nicht. |
 |
| Was man so nicht
wusste: Die Wiener Philharmoniker mieten sich zu Konzerten und Aufnahmen
lediglich wie alle anderen Gäste in den "Musikverein" ein,
das möglicherweise weltbeste symphonische Orchester hat kein eigenes
Konzergebäude. Diese dritte Stunde endet, zurück aus Wien, um
68,39 Minuten verlängert mit einem wunderbaren Kopfhörer-Erlebnis
der vierten Sinfonie von Anton Bruckner ("Romantische"), eingespielt
dort selbst 1991, mit den Wiener Philharmonikern unter Claudio Abbado. |
 |
| Vorbei an dem kleine
"Walk of fame" mit Hollywood-Sternen und der Einprägung
berühmter im Musikverein uraufführender Komponisten wie Bruckner
oder Brahms oben auf geht es zurück zum Opernplatz. Vis a vis das
Cafe und Hotel Sacher, eine Begehung der Ringsraße mit Ziel "Cafe
Landtmann" steht auf der Tagesordnung. |
 |
| Weiteres folgt |
 |