| Jetzt muss es etwas zügig gehen, also die Tegetthoffstraße hoch Richtung Neuer Markt, schließlich über den Stock-im-Eisen-Platz in die U-Bahn am Stephansplatz, in die CAT am Halt Landstraße/Wien Mitte und ab von Schwechat mit zweistündiger Verspätung in Richtung Norden. | ||
| Doch zuvor bleibt. mein Blick am Kapuzinerkloster hängen, genauer dem Hinweisschild: "Eingang Kaisergruft". So viel Zeit muss denn doch noch sein und Respekt nach all den schönen habsburger-Bauten. Der Schädel unter der Krone des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches auf dem Plakat am Kassa-Häuschen ist schon einladend. Ja, hinab, hinab! Unten ist's geräumig. Schließfachanlagen für Gruppenreisende im Vorraum. Alles kommod bei Kaisers letzter Ruhestätte allhier. 138 Mitglieder des Hauses Habsburg sind in wuchtigen Metallsärgen in Raumfluchten ja wohl doch eher ausgestellt. Vorne am Absperrgitter immer fein säuberlich die Schildchen derer von und zu Habsburg. Kennt man so von den Preußensärgen im Berliner Dom. Eine kleine europäische Hochadelsgenealogie mit Linien nach Spanien, Russland, Preußen und so munter fort tut sich im Wiener Kapuzinerkeller auf. | ||
| Die letzt bestattete ist Kaiserinwitwe Zita (1.4.1989). Hat man ja noch vor seinem geistigen Auge, die Geschichten und Bilder in den Goldenen Blättern im Wartezimmer des Hausarztes in unserem kleinen Eifelstädtchen. | ||
| Auf manchen Särgen liegen
Blumengebinde oder Fahnen, man zeigt Teilnahme und erinnert sich unter
Alt-Monarchisten eben immer noch gerne an die großen Zeiten. Das aufwändigste Grabmal ist das von Kaiserin Maria Theresia und Gatte Kaiser Franz I. Stephan, geschaffen von Balthasar Moll. Eine regelrechte Grabstättenburg mit dem Ehepartnern auf Augenhöhe - schließlich überlebte Maria Theresia ihren Mann um 15 Jahre. Schaurige Gruftatmosphäre kommt bei so viel gut ausgeleuchteter pompöser post mortem Feierlichkeit eher nicht auf, alleine die Kindersärge machen nachdenklich. Man will frei nach Beethovens Gefangenenchor dann doch sagen, ans Licht, in freie Luft, und denkt beim Stieg hinauf: Lauter schöne Leichen. Ich befürchte, wienerischer kann der letzte Eindruck nicht sein - von Wien. Ende |
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