4.Stunde
Burgtheater, Foto: H. Riehmer, www.vienna.cc Kaiser Franz Joseph ist letztlich der Abriss der alten militärischen Befestigungsanlagen zwischen der historischen Wiener Altstadt und den umgebenden Wohn-"Bezirken" zu verdanken. Stattdessen entstand die 4,4 Kilometer lange Ringstraße mit einer Breite von 57 Metern, Mittel- und Nebenfahrbahnen und mehrreihigen Alleen. Das war 1857. Klares Ziel des Habsburgerkaisers: Die unter anderem von Gottfried Semper geplante Anlage von Repräsentationsbauten. Heraus kam ein einmaliges Ensemble großdimensionierter Machtarchitektur in den verschiedensten historisierenden Spielarten. Das wirkt noch heute und vermittelt immer noch eine Ahnung vom ehemals habsburgischen "Weltreich". Zur Finanzierung wurde damals ein eigener Fonds aufgelegt, lediglich Parlament und Universität bezahlte die Staatskasse, das Rathaus die Gemeinde Wien.

So mache ich mich also auf den Weg vom Opernplatz mit der Staatsoper in Richtung "Cafe Landtmann", das hinter dem Burgtheater zu finden sein soll (sagt die Markierung auf dem bewährten DIN A5-Stadtplan). Die Staatsoper, vormals k.k. Hofoper kennt man ja auch bei uns in der Eifel aus der Übertragung des Wiener Opernballs an Weiberfastnacht. Sieht genauso aus wie im Fernsehen. Wirklich gut nachgemacht. Unweit davon entfernt fällt der Blick schon auf die Neue Hofburg, davor der Burggarten mit dem Mozart-Denkmal. Die von Victor Tilgner 1896 geschaffene Memorabilie zeigt am Sockel Szenen aus "Don Giovanni". Spätestens hier - und am Wien-Besuchstag war es bisher neblig - ist Wien wie Wien: walzerisch unter blauem Himmel.
Vorbei an Sempers Neuer Hofburg, vis a vis die Zwillingsbauten des Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museums, dazwischen mittig Kaiserin Maria Theresia al la 1888. Die Landesmutter blickt streng in Richtung der Residenz - ich sollte ihr noch ein zweites Mal begegnen. Daran anschließend auf der stadtabgewandten Seite das von Hansen (siehe Musikverein) erbaute Parlament von 1883 mit monumentalen Sitzfiguren. Der größte im hellenistischen Stil erbaute Prachtblock an der Prachtallee. Genau: Wenn es was demokratisches in spätfeudalen Strukturen zu bauen galt, haben sich die Mächtigen seit den Römern eben immer an der griechischen Antike - Akropolis - orientiert.
Das Burgtheater im Anschluss auf der Innenseite des Rings wiederum kommt einem aus einem anderen Grund bekannt vor. Nicht von ungefähr, denn Architekt Semper, der die legendäre Bühne 1874-1888 nach seine Plänen errichten ließ, hatte kurz zuvor in Dresden die Oper erbaut. In der Umgebung kann man sich Claus Peymanns Leid & Freud in seiner Wiener Intendantenzeit sehr gut vorstellen. Wie er das Wiener Establishment mit Jelinek- und Bernhard-Stücken zur Raserei brachte - und sein Ensemble zu Weltruhm führte.
So weit so gut, jetzt aber, direkt neben dem Theater, das "Landtmann". Es wird zur Zeit mit der Schauseite zur "Burg" ausgebaut. Ein Wintergarten, der wie eine überdimensionierte ICE-Kanzel wirkt, wird vor die historische Fassade gesetzt, damit die Touristen auch bei Schlechtwetter gut und teuer gucken können. Eben deshalb ist der Eingang auch eine Baustelle. Was nicht weiter stört, direkt hinter der Eingangstür bricht eine Garderobiere allerdings den zu forschen Gang ins Ambiente mit der Bitte um Überlassung der Garderobe ab.
Ich genehmige mir einen "Franziskaner" und bin überrascht. Sehr elegant und gediegen ist das Lokal. Wiener sind offenbar auch hier, dazwischen die übliche - für alte "Landtmann Gänger" wohl unerträgliche - Touristenmischung. Unerträglich wohl schon wegen der Kleidung, die irgendwie immer unpassend ist, dem Foto-Geknipse, den neugierigen Blicken. Alles andere als selbstverständlich. In diesen großbürgerlich-k.u.k. Räumen hat der Plebs nur Gast- aber kein Hausrecht.
Ich gehöre auch dazu. Studiere das umfangreiche Werbematerial des guten Hauses, die völlig überteuerte Preisliste, die einem suggeriert: "Selber schuld", mit den zugegeben guten Kaffeespezialitäten. Und habe leider wieder zu wenig Zeit. Die Garderobe wieder in Empfang genommen, den Ring überquert. Zurück mit der Trambahn zum Karlsplatz, kurz die Kärntnergasse entlang, links abbiegend. Die Ringstraße wurde im Biedermeier-Zeitalter angelegt. Zum Thema läuft eine Ausstellung in der "Albertina". Das muss jetzt sein.
Weiteres folgt

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