Bilder (Höhe x Breite)
Ruta jacobea 1984
Tinte, laviert, 28,3 x 12,8
Brücke in Graubünden 1983
Farbholzschnitt, 27,5 x 37
Engel und Teufel 1983
Farbholzschnitt, 70 x 53
Trommler 1970
Feder, rote Tusche u. Sepia, 55 x 39
Bauer und Tod 1976
Feder, schwarze Tusche, 29,5 x 52,5
Bieg-Dich-Blatt 1984
Farbholzschnitt, 52 x 34
Der Weg 1984
Farbholzschnitt, 31,5 x 19,5
Am Wegkreuz von Galzetaburu 1985
Farbholzschnitt, 28,5 x 40,5
Detlef Willand
Der Talkünstler
Sie haben ihn ausjuriert. Die Gremien, die über die Aufnahme von Künstlern in Ausstellungen entscheiden, taten sich oft schwer mit der Kunst von Detlef Willand. Der 66-jährige aus Hirschegg im Kleinwalsertal passte nie in Trends.
Der Talkünstler
Sie haben ihn ausjuriert. Die Gremien, die über die Aufnahme von Künstlern in Gruppenausstellungen und Übersichtsschauen entscheiden, taten sich oft schwer mit der Kunst von Detlef Willand. Der 58-jährige aus Hirschegg im Kleinwalsertal passte nie in Trends. Wie auch, wenn einer nicht bereit ist, sich Marktgesetzen zu unterwerfen, eher philosophisch an die Kunst herangeht - ohne starren Blick auf die schnelle Mark.
Sie haben ihn wahrscheinlich erst allmählich verstanden. Dass da einer sucht, nach Themen, nach Ansätzen, nach Fragestellungen. Nach Weltsichten, die er künstlerisch in Holzschnitten darstellen will. Nicht um fertige Rezepte anzubieten, sondern um so gewappnet zu sein für die nächste Frage, wie es weitergeht, ganz grundsätzlich.
"Der Philosoph Martin Heidegger hat einmal auf die Frage, wie er sich die Zukunft Europas vorstelle, geantwortet: ‚Ich sehe nichts. Wir müssen trotzdem versuchen, Brücken zu bauen, an welches Ufer auch immer'", sagt Detlef Willand, den sie im Kleinwalsertal als "Talkünstler" sehen, einer, der eine 100 Jahre alte Tradition fortführt. Eine Stafette, die Willand von seinem Vater übernahm.
Die Kunst, solche "Brücken zu bauen", besteht für den Mann mit dem Vollbart, der eher an einen leicht verträumten Professor als an einen Künstler erinnert, darin, offen zu sein für alles, was ihm so passiert.
Normal in seinem Leben war lange Zeit dabei das Unvorhergesehen. Der Walsertaler ist in Heidenheim geboren, die Grundschule besuchte er in Hirschegg, das Gymnasium in Marburg und in Oberstdorf. Irgendwie kam es immer anders, als er es sich ursprünglich vorgenommen hatte. Das blieb so während der Ausbildung, als er sich zum Beispiel für die Kunstakademie in München bewerben wollte, weil ein renommierter Professor dort gerade lehrte - der einem Ruf nach Italien folgte, als Willand sich einschrieb.
Das war so bei seiner Entscheidung 1961, sich als Bildhauer im Kleinwalsertal zu versuchen, und ein Brand des ersten Ateliers ein Jahr später dem Vorhaben ein abruptes Ende setzte.
Und es dauerte noch weitere zwei Jahre, unter anderem nach einer Zeit in der Künstlerwerkstatt an der Münchner Residenz, erneuten Versuchen als Bildhauer im Kleinwalsertal, Jahren zusammen mit seiner Frau im Antiquariat in Oberstdorf, bis er 1968 schließlich zum Holzschnitt kam.
Im Kleinwalsertal als Holzschneider leben! "Das Schicksal muss mich irgendwie dazu gedrängt haben", sagt Willand zu seiner letzten, endgültigen Entscheidung. Er setzte den Entschluss um. Er fand auf einmal seine Themen, die Quellen, die Hinweise, wie er eine "Brücke bauen" kann mit seiner Kunst. Auch in der Bibel. Die Geschichte vom Verlorenen Sohn zum Beispiel: Jemand, der seinen Weg geht, weg aus dem Gewohnten, auf Abwege gerät und geläutert zurückkehrt.
Solche Wege, die an ein Ziel führen, das vielleicht nur eine Etappe ist, die Kurven, Krümmungen, nicht die geraden Linien, liebt Willand. Er hat sie selbst am intensivsten bei einer Fußwallfahrt in den Jahren 1980 bis 1984 von Hirschegg aus, genauer vom kleinen Hügel hinter dem elterlichen Haus, in dem er lebt, erfahren. Er pilgerte nach Santiago de Campostela auf dem "Jakobsweg".
"'Wirf Dich weg!' begrüßen die Spanier die Pilger auf dem Jakobsweg, um deutlich zu machen, dass man nur in freier Geisteshaltung, ohne Rücksicht auf materielle Dinge, an sein Ziel kommt", sagt Willand.
Ein Gang ins Ungewisse war das, mit der Absicht, eine andere und höhere Ebene zu erreichen. Diese "Wegerfahrung" wie Willand seine künstlerischen Notizen von seiner Pilgerreise genannt hat, und die in diesem Jahr in der Hirschegger Kreuzkirche zu sehen waren, das ist sein "Programm". Es verbindet die Hoffnung auf eine bessere Welt mit dem Glauben an ein positives Menschenbild. Religiös ist Willand vordergründig nicht, aber er glaubt "an das Wesentliche, das hinter allem ist".
Die, die ihn jahrelang ausjurierten, haben es sich mittlerweile überlegt. Seine Kunst ist immer noch nicht im Trend, aber sie liefert denen, die auch "Brücken bauen" wollen, Antworten. Über die Jahre hinweg.
"Das Walsertal", sagt Detlef Willand, "war früher ein Flüchtlingstal. Hier haben viele Aufnahme gefunden, die anderswo aus welchen Gründen auch immer verfolgt wurden." Ein Flüchtling, auf der Flucht zu sich selbst, ist auch der Talkünstler aus Hirschegg.
Stefan Lieser
Erschienen in: Allgäuer Zeitung, 23.12.1993, innerhalb der Serie "Zeitgenossen - Menschen in Oberstdorf und dem Kleinwalsertal".
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Pilger mit Hund 1985
Farbholzschnitt, 27 x 46
Brücke im Bregenzerwald 1985
Farbholzschnitt, 23 x 33,5 (li.)
Tierra de Campos 1985
Farbholzschnitt, 37,5 x 85,5
(re.)
Großer Pilger 1981 Farbholzschnitt, 81 x 54,5
Werkgruppen (Auswahl)
Der Weg 1984-1986
24 meist farbige Holzschnitte.
Handgedruckte, signierte Auflage; 48 Exemplare.
Dekade - zehn Augenblicke 1985-1990
Zehn meist farbige Holschnitte.
Jäger des Einhorns
1991
F ünf Holzschnitte, Auflage 70 Exemplare.
Gleichnis vom verlorenen Sohn 1992
Sechs Farbholzschnitte und Textblätter sowie ein Titelholzschnitt.
Reise zu den Inseln 1989
Sechs Holzschnitte, Auflage 30 Exemplare.
Josef
1988
Zwölf Holzschnitte zu 1. Mose 37-50,
auf Japanpapier, nummeriert.
Hirschegger Geschichten
1992
Acht Farbholzschnitte, Auflage 30 Exemplare.

Neuere Werkgruppen:
Sprichwörter 32 Holzschnitte

Ausstellungen:
Seit 1977 in Deutschland, Österreich und Europa.
Literatur:
u.a.: "Detlef Willand - Mit einem Werkkatalog der Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte". Hans Thoma-Gesellschaft, Spendhaus Reutlingen, 13. Oktober - 17. November 1985 (vergriffen).
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